Jahr: 2021

Die Frau für mehr Natur im Garten

Michael Klatt von der Rheinischen Post Geldern berichtet:

Gabriele Böhm aus Herongen ist Vorsitzende des neuen
Vereins „Natur im Garten NRW“. Ihre Bekanntschaft mit einem
Österreicher verhalf ihr zu dieser Aufgabe. Sie möchte damit Gutes tun
für Mensch und Tier.

Etwas, das viele für einen Widerspruch in sich halten, ist für GabrieleBöhm gar keiner. „Ein ,Natur im Garten’-Garten kann durchaus ein englischer Garten sein. Ordentlich, und trotzdem natürlich, das geht“,sagt die Herongerin. Sie will dazu beitragen, dass Gärten nicht nur durch Schönheit glänzen, sondern auch durch ihre Eigenschaft als wertvoller Lebensraum für Flora und Fauna. Und zwar als Vorsitzende des neuen Vereins „Natur im Garten NRW“.
Viele Gartenfreunde kennen „Natur im Garten“ durch die gleichnamigeFernsehsendung auf 3sat mit dem Biogärtner Karl Ploberger. Den wiederum kennt die Reiseexpertin Gabriele Böhm seit mehr als zehnJahren durch viele gemeinsame Projekte. Als sie dabei die Igelplakettevon „Natur im Garten“ sah, „wollte ich die auch haben“, erzählt die 60-Jährige. Ploberger vermittelte sie an die „Natur im Garten“-Organisation in
Österreich, wo die Initiative 1999 startete. Zum Start des NRW-Landesverbandes waren die Österreicher im vorigen Jahr bei der
Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. Böhm meldete sich als Interessentin. Nach mehreren Zoom-Konferenzen wurde der Verein mit ihr als Präsidentin am 8. Mai 2021 gegründet, seit Ende des Sommers ist er laut Böhm als gemeinnützig anerkannt.

Die begehrte Igelplakette hat sie mittlerweile an ihrem Gartentor. Sie sei von ideellem Wert, sei ein Ausdruck von Lebenshaltung, sagt die Herongerin.
Um als „Natur im Garten“-Garten zertifiziert zu werden, sind einige Kriterien zu erfüllen. Denn naturnahe Gärten sollen einerseits Wohlfühloasen und Entspannungsorte für Menschen sein, andererseits aber auch Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Kernkriterium ist die Pflege der Gärten und Grünflächen ohne chemisch-synthetische Dünger und Pestizide sowie ohne Torf. Gern gesehen werden hingegen Wildblumenwiesen, Insektenhotels, Komposthaufen, Teiche, Wildstrauchhecken und Bäume. Nicht nur einzelne Gärten, auch ganze Gemeinden könnten auf diese Weise zertifiziert werden, sagt Gabriele Böhm.
Der Verein will alle Interessenten in diesem Sinne beraten. Das können Hobbygärtner sein, Schulen und Kindergärten, Kommunen und Betriebe. Ein breites Bildungsprogramm ist vorgesehen. Gabriele Böhm verweist darauf, dass es in anderen Bundesländern bereits ein „Gänseblümchen-Diplom“ für Kindergartenkinder gebe. Sie selbst wurde vom österreichischen Verein als „Natur im Garten“-Beraterin ausgebildet. Jetzt darf sie, ebenso wie eine Kollegin, Gärten begutachten, mit den Besitzern den Bewertungsbogen abarbeiten und, wenn alles passt, die Plakette überreichen.
„Wir wollen aber keine Konkurrenz zu Garten- und Landschaftsbauern sein“, betont Gabriele Böhm. Man wolle den Gartenplanern nicht dieJobs wegnehmen, sondern die Gärtner auf Dauer zu Partnern haben.

Die Rheinische Post Meerbusch berichtet über die Vizepräsidentin Natur im Garten NRW Vera Jentjens

Eine prächtige Gartenoase ganz ohne Chemie

Vera und Jupp Jentjens freuen sich, dass sie die Plakette „Natur im Garten“ erhalten haben.
Vera und Jupp Jentjens aus Osterath haben als erste Meerbuscher die Plakette des Vereins „Natur imGarten“ erhalten. Dessen Ziel sind Gärten, die ohneTorf und Pestizide gedeihen.

Natur im Garten. Das ist eigentlichselbstverständlich. Doch bei der Definition, was es eigentlich bedeutet, im Garten die Natur zu hegen und zu pflegen, gehen die Meinungen auseinander.
Muss man einen Kompost haben, ein Bienenhotel und einen Laubhaufen für Igel und Insekten? Darf der Rasen abgezirkelt und mit Dünger aufgepäppelt werden? Sollte man das Regenwasser nutzen? Welche Stauden und Büsche sind für einen Hausgarten geeignet? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich der Verein „Natur im Garten“, der bereits vor 22 Jahren in Österreich gegründet wurde, aber erst im vergangenenJahr auch einen Ableger in Nordrhein-Westfalen ge‐funden hat. Vera Jentjens aus Osterath war beim Gründungstreffen am Rande der LandesgartenschauKamp-Lintfort mit dabei und ist inzwischen 2. Vorsitzende. Außerdem erhielten sie und ihr Mann Jupp als erste Meerbuscher die Plakette „Natur im Garten“ verliehen.
Die engagierte Gartenfreundin öffnet jedes Jahr bei der „Offenen Gartenpforte“ ihre Wohlfühloase, direkt neben dem von ihrem Sohn geführten Gartencenter.Die Natur ist ihr Lebenselixier. „Die Grundidee von
‚Natur im Garten‘ ist das Gärtnern mit der Natur“, erklärt sie. Chemisch-synthetische Dünger, Pestizide und Torf gehören definitiv nicht dazu. „Ich reichere meinen Garten mit natürlichen Elementen an, lasse Laub liegen, mache abgeschnittenes Astwerk klein und streue es direkt darunter auf die Beete“, erklärt Jentjens. Aus Brennnessel und Rasenschnitt lasse sich Jauche zum Düngen und Spritzen ansetzen.
Ein aufgeräumter Garten sei das Schlimmste für die Natur, sagt sie. Es dürfe ruhig ein bisschen wild aussehen, so die Gartenfreundin. „Man sollte sich nicht davor scheuen, auch Wildwuchs zuzulassen oder einmal den hinteren Bereich des Rasens einfach wachsen zu lassen. An Gänseblümchen und Löwenzahn, aber auch an anderen Pflanzen erfreut sich Kleingetier, das wiederum Vögeln als Nahrung dienen kann.
Der Verein legt großen Wert auf die ökologische Ge‐staltung eines Gartens, der die Vielfalt und Klimaanpassung fördert.
Ein Tipp: Eine vielfältige Wildstrauchhecke erfreut nicht nur den Menschen das ganze Jahr über mit ihrer Blütenvielfalt, ihren Früchten und bunten Farben im Herbst. Sie ist außerdem ein wichtiger Lebensraum für Insekten, Vögel und Säugetiere, denen sie Unterschlupf und Nahrung bietet. Besonders wert‐voll seien heimische Gehölze, denn sie sind besondersgut an den Standort angepasst.
Dass es auch ohne Chemie prächtig wächst, kann jederBesucher im Garten der Jentjens feststellen. Aber na‐türlich hat nicht jeder Gartenliebhaber das nötigeKnow-how. Der Verein „Natur im Garten“ hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, mit Fachberatern vor OrtTipps zu geben, wie ein naturnaher Garten aussehenkönne, und verleiht bei Erfüllung der Kriterien die Plakette „Natur im Garten“. Dabei kommt es nicht auf die Art des Gartens an, sondern darauf, dass er umwelt‐schonend bewirtschaftet wird. Wenn dann ein Garten die wichtigsten Naturgarten-Kriterien erfüllt, bekommt man bei einer Gartenbesichtigung die Plakette„Natur im Garten“ verliehen.
Jentjens wirbt dafür, zudem dem Verein beizutreten, denn dieser beinhalte ein ganzes Netzwerk an Gartenfachleuten, die jedem Mitglied mit Rat und Tat zurSeite stehen. Der Verein gibt außerdem Broschüren heraus, veranstaltet Vorträge und Workshops. Dabei geht es nicht nur um private Gärten. Auch Firmen und Kommunen mit öffentlichen Parks können Mitglied werden.
und ihren Teil zum Schutz des Klimas beitragen. „Garten ist nicht nur Arbeit, sondern Freude“,sagt Vera Jentjens. Gerne stelle sie ihren Liegestuhl einmal vor einem Insektenhotel auf und beobachte entspannt das Treiben der Nützlinge.

Definition
Laut Vereinssatzung steht ein Naturgarten für ökologische Gestaltung und nachhaltige Bewirtschaftung. Mit der Auszeichnung der „Natur im Garten“ Plakette zeigen schon weit über 20.000 Naturgärtner europaweit,dass in ihrem Garten die Natur einen Platz hat