Die Frau für mehr Natur im Garten

Michael Klatt von der Rheinischen Post Geldern berichtet:

Gabriele Böhm aus Herongen ist Vorsitzende des neuen
Vereins „Natur im Garten NRW“. Ihre Bekanntschaft mit einem
Österreicher verhalf ihr zu dieser Aufgabe. Sie möchte damit Gutes tun
für Mensch und Tier.

Etwas, das viele für einen Widerspruch in sich halten, ist für GabrieleBöhm gar keiner. „Ein ,Natur im Garten’-Garten kann durchaus ein englischer Garten sein. Ordentlich, und trotzdem natürlich, das geht“,sagt die Herongerin. Sie will dazu beitragen, dass Gärten nicht nur durch Schönheit glänzen, sondern auch durch ihre Eigenschaft als wertvoller Lebensraum für Flora und Fauna. Und zwar als Vorsitzende des neuen Vereins „Natur im Garten NRW“.
Viele Gartenfreunde kennen „Natur im Garten“ durch die gleichnamigeFernsehsendung auf 3sat mit dem Biogärtner Karl Ploberger. Den wiederum kennt die Reiseexpertin Gabriele Böhm seit mehr als zehnJahren durch viele gemeinsame Projekte. Als sie dabei die Igelplakettevon „Natur im Garten“ sah, „wollte ich die auch haben“, erzählt die 60-Jährige. Ploberger vermittelte sie an die „Natur im Garten“-Organisation in
Österreich, wo die Initiative 1999 startete. Zum Start des NRW-Landesverbandes waren die Österreicher im vorigen Jahr bei der
Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. Böhm meldete sich als Interessentin. Nach mehreren Zoom-Konferenzen wurde der Verein mit ihr als Präsidentin am 8. Mai 2021 gegründet, seit Ende des Sommers ist er laut Böhm als gemeinnützig anerkannt.

Die begehrte Igelplakette hat sie mittlerweile an ihrem Gartentor. Sie sei von ideellem Wert, sei ein Ausdruck von Lebenshaltung, sagt die Herongerin.
Um als „Natur im Garten“-Garten zertifiziert zu werden, sind einige Kriterien zu erfüllen. Denn naturnahe Gärten sollen einerseits Wohlfühloasen und Entspannungsorte für Menschen sein, andererseits aber auch Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Kernkriterium ist die Pflege der Gärten und Grünflächen ohne chemisch-synthetische Dünger und Pestizide sowie ohne Torf. Gern gesehen werden hingegen Wildblumenwiesen, Insektenhotels, Komposthaufen, Teiche, Wildstrauchhecken und Bäume. Nicht nur einzelne Gärten, auch ganze Gemeinden könnten auf diese Weise zertifiziert werden, sagt Gabriele Böhm.
Der Verein will alle Interessenten in diesem Sinne beraten. Das können Hobbygärtner sein, Schulen und Kindergärten, Kommunen und Betriebe. Ein breites Bildungsprogramm ist vorgesehen. Gabriele Böhm verweist darauf, dass es in anderen Bundesländern bereits ein „Gänseblümchen-Diplom“ für Kindergartenkinder gebe. Sie selbst wurde vom österreichischen Verein als „Natur im Garten“-Beraterin ausgebildet. Jetzt darf sie, ebenso wie eine Kollegin, Gärten begutachten, mit den Besitzern den Bewertungsbogen abarbeiten und, wenn alles passt, die Plakette überreichen.
„Wir wollen aber keine Konkurrenz zu Garten- und Landschaftsbauern sein“, betont Gabriele Böhm. Man wolle den Gartenplanern nicht dieJobs wegnehmen, sondern die Gärtner auf Dauer zu Partnern haben.